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  • nadinebaertschi

Unser Vergleich mit der künstlichen Intelligenz

Zurzeit sind Begriffe wie KI - künstliche Intelligenz, artifizielle Intelligenz, ChatGPT usw. in aller Munde. Soziale Netzwerke boomen, Fotos und Videos werden mit Filter versehen. Sogar an die Liebsten werden Fotos versendet, welche vorher mit einem Beautyfilter bearbeitet wurden.




Kürzlich sass ich mit einem Freund auf einen Kaffee zusammen. Im Gespräch fragt er mich, ob ich ChatGPT bereits ausprobiert habe. Ich verneine, woraufhin er begeistert darüber erzählt, mir die Funktionen aufzeigt und über die Genialität spricht, wie unglaublich gut und professionell das Programm Texte und Antworten erstellt und wiedergibt. Er erzählt, dass er schon viele Fragen ausprobiert hat und kürzlich sogar bei einer wichtigeren Angelegenheit ChatGPT befragt hat, da er sich sicher sein wollte, einen guten Text zu schreiben und im Vergleich die KI die besseren Texte schreibe.


Ich liebe es neues zu entdecken und bin offen für neue Technologien und bin sehr gespannt, dies auszuprobieren. Erwidere in dem Gespräch jedoch auch, dass sich meine Bedenken genau in seiner Aussage «dass die Funktion die besseren Texte erstellen kann als er» wiederspiegeln.


Es ist schon länger ein Thema, auch in meinem Umfeld, dass viele Ihre Fotos mit einem Filter versehen, bevor diese versendet werden. Die Lippen etwas voller, die Haut makellos und strahlend, die Augen etwas weiter, all dies hilft, das vermeintlich perfekte Foto zu schiessen, welches dann direkt an Freunde und Familie gesendet oder auf den sozialen Medien veröffentlicht wird.


Gibt uns die künstliche Intelligenz die Idee, dass wir Texte nicht in gleicher Qualität selbst verfassen können? Geben uns Filter die Idee, dass wir ohne nicht genau so schön sind? Und wie entmutigend ist der Vergleich, der geboten wird? Das wir direkt überprüfen können, wie wir mit und ohne Filter aussehen, und wie viel «besser» in unserer Meinung der Text durch die künstliche Intelligenz geschrieben wurde.


Ich denke, wir geben uns diese Idee selbst.




Erik Blumenthal erläutert in seinem Buch «Wege zur inneren Freiheit» wie wir uns selbst Energie und Selbstbewusstsein rauben, indem wir uns vergleichen


Abbildung aus «Weg zur Inneren Freiheit» von Erik Blumenthal


«Die Linie von V (Vergangenheit) bis Z (Zukunft) stellt die Lebenslinie eines Menschen dar. Wenn wir nun annehmen, dass bei Punkt 1 im Minus ein Mensch ist, der nicht genügend an sich glaubt, der also ein Gefühl des Ungenügens, der Minderwertigkeit hat, dann wird er selbstverständlich nicht dauernd unten im Minus, nämlich als Unterlegener weitermachen wollen, sondern er wird sich bemühen, sich das Gefühl der Überlegenheit zu verschaffen. Wie er sich nun das Gefühl der Überlegenheit verschafft, wird auf der dargestellten Skizze aufgezeigt. Für die jetzige Überlegung genügt es, sich vorzustellen, dass er einen Ausgleich sucht, nämlich nach oben kommen will. Jedoch zeigt es sich in der Wirklichkeit, dass es ihm nicht genügt, nur zu kompensieren, nämlich auf die Lebenslinie zu kommen, sondern aus dem Kompensieren wird immer ein Überkompensieren. Das heisst, genau so tief, wie er sich im Minus gefühlt hat, so hoch will er ins Plus kommen. Er wird also den Punkt 2 erreichen wollen. Hat er sich damit nun das Gefühl der Überlegenheit verschafft oder erschlichen, dann würde er am liebsten oben im Plus, also parallel zur Lebenslinie weitermachen. Dies gelingt ihm aber deshalb nicht, weil er gewohnt ist, sich mit anderen zu vergleichen, und so wird er rasch wieder einen Anlass finden, sich als nicht genügend zu betrachten. Er wird abermals ins Minus, nämlich zu Punkt 3 zurückfallen, dann geht das gleiche Spiel von vorne los.

Die ständige Bewegung auf der vertikalen Linie hindert den Fortschritt eines Menschen. «Solange wir untersuchen, was für eine Wirkung wir auf andere erzielen, solange es wichtig erscheint, zu erkennen und zu beweisen, wie gut oder wie schlecht wir sind, solange können wir nie das leisten, wozu wir eigentlich fähig sind.»


Passend dazu eine kleine Geschichte, ebenfalls aus dem Buch «Wege zur inneren Freiheit» von Erik Blumenthal: Ein angehender Universitätsprofessor hatte gerade eine Vorlesung beendet, die seine Studenten und Hörer begeisterte. Anschliessend kam ein alter Studienfreund zu ihm, drückte ihm für seine Leistung seine Anerkennung aus und fragte: «Wie hast Du nur gelernt, so hinreissend zu sprechen? Früher waren deine Vorträge – entschuldige, wenn ich das sage – kaum über dem üblichen Durchschnitt und sicher nicht begeisternd.» Der Betreffende antworte: «Ja, das war so: Früher kam nach jedem Vortrag der Teufel zu mir. Einmal klopfte er mir auf die Schulter und lobte mich, ein andermal sagte er, dass das, was ich heute geboten hätte, nicht viel wert gewesen sei. Eines Tages aber bekam ich genug davon und jagte den Teufel zum Teufel. Offensichtlich sind meine Vorlesungen seither wesentlich besser geworden.» Mit andern Worten, seit er sich nicht mehr ichhaft für das Problem interessierte, wie gut oder wie schlecht er war, sondern sich voll und ganz auf das sachliche Ziel, seinen Hörern etwas Gutes zu bieten, konzentriert hat, ist er als Vortragender viel besser geworden.




Nun ist es kein Vergleich zwischen sich und einer anderen Person, wenn wir unser Potential mit neuen Technologien wie ChatGPT oder Beautyfilter vergleichen und doch scheint es, das ein Vergleichspotential vorhanden ist, wie ich mit oder ohne technologische Hilfe gegen aussen wirke.


Fragen wir ChatGPT gleich selbst, wie sich die künstliche Intelligenz auf das menschliche Selbstbewusstsein auswirkt. Zusätzlich bitte um fünf Tipps für den Umgang mit KI und erhalte folgende Antwort:


Aus Sicht der Individualpsychologie nach Alfred Adler kann die Beziehung des Individuums zur künstlichen Intelligenz (KI) das eigene Selbstbewusstsein und die Minderwertigkeitsgefühle beeinflussen. Hier sind einige Aspekte zu berücksichtigen:


1. Vergleich der eigenen Fähigkeiten mit denen der KI: Menschen können das Gefühl haben, dass sie gegenüber einer KI minderwertig sind, da diese oft schneller, genauer und effizienter arbeiten kann als sie selbst. Der Vergleich kann jedoch unangemessen sein, da KI nur auf vordefinierte Aufgabenbereiche beschränkt ist und nicht über menschliche Fähigkeiten wie Kreativität, Empathie oder emotionale Intelligenz verfügt.


2. Angst vor Arbeitsplatzverlust: Ein weiterer Faktor, der das Selbstbewusstsein beeinträchtigen kann, ist die Sorge, dass KI in der Lage sein könnte, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen. In solchen Fällen könnte es wichtig sein, sich auf andere Fähigkeiten und Kompetenzen zu konzentrieren, die die KI nicht ersetzen kann.


3. Abhängigkeit von Technologie: Eine mögliche negative Auswirkung von KI auf das Selbstbewusstsein ist auch die Abhängigkeit von Technologie. Wenn Menschen sich zu sehr auf KI verlassen, könnten sie das Gefühl haben, ihre Fähigkeiten schwinden zu lassen, wenn sie nicht mehr unabhängig agieren können.


4. Technologiefeindlichkeit: Andererseits könnte die Ablehnung von KI durch

Technologiefeindlichkeit dazu führen, dass das Selbstbewusstsein beeinträchtigt wird. In solchen Fällen könnte es hilfreich sein, sich zu informieren und sich mit der Technologie auseinanderzusetzen, um ein besseres Verständnis und eine größere Kontrolle über die Situation zu erlangen.


5. Zusammenarbeit mit KI: Eine positive Möglichkeit, mit KI umzugehen, besteht darin, sich auf eine Zusammenarbeit mit der Technologie zu konzentrieren. KI kann als Werkzeug genutzt werden, um menschliche Fähigkeiten und Kompetenzen zu verbessern und zu ergänzen.


Hier sind fünf Tipps für Menschen, wie sie mit KI gut umgehen und ihr Selbstwertgefühl dabei erhalten können:


1. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und Fähigkeiten, die KI nicht ersetzen kann, wie z.B. Kreativität, Empathie oder emotionale Intelligenz.


2. Informieren Sie sich über KI und versuchen Sie, ein besseres Verständnis für ihre Möglichkeiten und Einschränkungen zu erlangen.


3. Nutzen Sie KI als Werkzeug, um menschliche Fähigkeiten zu verbessern und zu ergänzen, anstatt sich von ihr abhängig zu machen.


4. Bleiben Sie flexibel und offen für Veränderungen und neue Technologien.


5. Entwickeln Sie Ihre Kompetenzen weiter und suchen Sie nach Weiterbildungsmöglichkeiten, um sich auf die Zukunft vorzubereiten.





Für mich persönlich ist folgendes wichtig geworden:


Das eigene Innenkriterium, unsere eigene Einschätzung über uns selbst ist die Ursache vieler Entscheidungen über Erfolg und Misserfolg, über soziale Zugehörigkeit oder vermeintliche Ablehnung, über Zufriedenheit oder Unzufriedenheit im eigenen Leben. Stärken Sie den eigenen Glauben an sich selbst, an Ihre Fähigkeiten und nutzen Sie die künstliche Intelligenz um zusätzliche Ideen und Inspirationen zu erhalten, aber glauben Sie an Ihre eigene Fähigkeit, den Text sogar noch zu verbessern und zu ergänzen oder auch total anders zu schreiben.


Unsere eigene positive Bewertung stärkt und motiviert, die negative Bewertung oder der Vergleich schwächt, weil ich mich als nicht genügend, unfähig oder gar nutzlos bewerte.

Selbstwert = Ich gebe mir meinen Wert selbst.

Selbstwert im Sinne des positiven Innenkriteriums bedeutet, dass ich mir meines eigenen Wertes sicher bin. Das ich mich so akzeptiere, wie ich bin, inklusiv meinen Stärken, meinen Schwächen und einer Portion Mut zur Lücke. Ich mag mich, weil es mich gibt.


- Ich habe Stärken und Schwächen und beides gehört zu mir dazu.

- Ich kann meine Möglichkeiten angemessen einschätzen, muss weder der/die Grösste

sein, noch bin ich zu allem zu dumm.

- Ich bin als Person einzigartig und gleichzeitig dürfen auch die anderen einzigartig sein

- Ich bin grundsätzlich in Ordnung wie ich bin.

- Ich kann im Vergleich zu der KI auch ausserhalb vorgegebener Grenzen denken.

- Ich traue mir zu, dass ich Fähigkeiten habe, die ich ausprobieren darf.

- Neue Erfahrungen, ob positiv oder negativ bringen mich immer weiter.

- Ich bin wertvoll und kann beitragen, einfach weil ich Mensch bin.

- Mut zur Unvollkommenheit.


Als Mensch dürfen wir den Mut haben, auch zu unseren Unzulänglichkeiten zu stehen und uns zu dem zu bekennen, was nicht unsere Stärken und Ideale sind. Vielleicht sind Sie nicht der/die Schnellste auf der Rennbahn, vielleicht verfassen wir nicht die besten Texte, vielleicht haben Sie zwei linke Hände und das Handwerkliche ist nicht ihr Ding. Na und, das eine können wir in der Selbstarbeit wo gewünscht beeinflussen und das andere überlassen wir einfach anderen. Welche ein Stolperstein, wenn wir uns ein Leben lang abmühen, etwas zu sein, was wir nicht sind und auch nicht sein müssen. Stoppen Sie den Vergleich, glauben Sie an Ihre eigenen (selbst gewählten) Fähigkeiten und nutzen Sie KI als Werkzeuge, und Hilfsmittel, wo Sie diese positiv einsetzen können ohne an Ihren eigenen Werten zu zweifeln.





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