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Zwischen Lebensplanung und Vertrauen – das Leben gestalten, ohne es festzuhalten

  • nadinebaertschi
  • 8. Okt.
  • 3 Min. Lesezeit

Wir Menschen lieben es zu planen. Es gibt uns Halt, Orientierung, das Gefühl, unser Leben im Griff zu haben. Wir machen uns Gedanken darüber, wo wir in zehn oder zwanzig Jahren stehen wollen, was wir erreichen möchten, wer an unserer Seite ist. Und doch spüren viele von uns irgendwann: Das Leben hält sich nicht immer an unsere Pläne.

Vielleicht hast du das auch schon erlebt, dieses Gefühl, dass das Leben eine andere Richtung nimmt, als du sie vorgesehen hattest. Dass du plötzlich an einem Punkt stehst, an dem du dachtest, längst „weiter“ zu sein. Und genau da beginnt oft der eigentliche Weg: nicht der, den wir geplant haben, sondern der, der sich entfaltet, wenn wir uns einlassen.


Weg finden


Das Leben als Prozess, nicht als Plan

In der Individualpsychologie spricht man davon, dass jeder Mensch in der Kindheit einen Lebensstil entwickelt. Eine innere Haltung, die bestimmt, wie wir auf das Leben reagieren. Dieser Lebensstil entsteht in den ersten sieben Lebensjahren, geprägt durch Erfahrungen, Beobachtungen und dem, wie wir als Kind die Welt wahrnehmen. Wenn deine Kindheit beispielsweise durch Fürsorge, Bindung oder bestimmte Erwartungen geprägt war, tragen diese Einflüsse oft den Samen dessen, was du heute planst oder ersehnst. Wir formen daraus eine Art unbewussten Plan, eine Orientierung, wie wir die Aufgaben und Herausforderungen des Lebens bewältigen können, unsere eigene Idee der Lebensplanung.


Schon als Kind tragen wir innere Bilder davon in uns, wie unser Leben einmal aussehen soll. Vielleicht war da die Vorstellung von einem Zuhause, einem Beruf, einer Partnerschaft, vom Reisen oder einfach vom Gefühl, angekommen zu sein. Diese Bilder geben uns Orientierung, und manchmal auch Druck. Dann vergeht ein Jahr, vielleicht mehrere, und wir stehen da: nicht dort, wo wir „sein sollten“, sondern dort, wo wir gerade sind. Ein Teil von uns sehnt sich nach Kontrolle „Ich muss wissen, wohin das Leben führt.“ Der andere Teil spürt instinktiv: „Manchmal kommt alles anders.“


Das Leben ist kein gerader Pfad, sondern ein sich entwickelnder Prozess. Manchmal führt er über Umwege, manchmal durch Stille oder Neuanfang. Doch genau darin liegt die Möglichkeit, uns selbst immer wieder neu zu entdecken.


Es ist nichts Falsches daran, Ziele zu haben. Sie geben Richtung, schaffen Sinn und Energie. Doch ebenso wichtig ist die Fähigkeit, den Moment zu bewohnen. Offen zu bleiben für das, was sich zeigt. Vielleicht dürfen Pläne weniger wie Bauanleitungen und mehr wie Landkarten sein: hilfreich, aber nicht endgültig. Wir dürfen abbiegen, pausieren, neue Wege wählen. Und manchmal ist es gerade dieses „Nichtwissen“, das uns näher zu uns selbst bringt.


Landkarte, Kindheit

Alfred Adler betont, dass der Mensch ein zielgerichtetes Wesen ist. Auch wenn wir nicht immer wissen, was wir wollen, handeln wir stets „als ob“ wir auf ein Ziel zugehen. Die Frage „wo will ich hin?“ ist daher weniger eine Aufforderung, einen starren Plan zu haben, sondern eher eine Einladung zur inneren Klärung:

  • Welche Werte tragen mich?

  • Was gibt meinem Leben Sinn?

  • Welche Art von Beziehung, Arbeit, Alltag lässt mich wachsen?


Vertrauen als Gegenbewegung zur Kontrolle

Der Wunsch nach Kontrolle entspringt oft einer Sehnsucht nach Sicherheit. Doch das Leben ist lebendig, nicht planbar. Vertrauen bedeutet nicht, alles geschehen zu lassen, sondern darauf zu vertrauen, dass du mit dem, was kommt, umgehen kannst.


„Ich traue mir zu, mit dem umzugehen, was das Leben bringt und ich bin fähig, Sinn und Freude zu schaffen, unabhängig von äusseren Umständen.“


Die wichtigste psychologische Kraft ist Ermutigung. Nicht Druck, nicht Perfektion, sondern die Haltung: „Du bist fähig. Du darfst dich entwickeln. Du darfst dein Leben gestalten, auch in Ungewissheit.“

  • Frage dich regelmässig: „Was nährt mich? Was stärkt mich?“

  • Erinnere dich daran: Dein Wert besteht unabhängig davon, wie sehr du deine Ziele exakt erreichst.

  • Übe Mitgefühl dir selbst gegenüber. Und Mut, wenn du dich neu orientieren willst.


Zwischen Kontrolle und Vertrauen, zwischen Wollen und Geschehenlassen. Dort liegt ein Raum, in dem wir lernen dürfen, uns selbst zu begegnen.


Ein Raum, in dem Planung und Hingabe nicht Gegensätze sind, sondern sich ergänzen.

Gestalte dein Leben so, dass es deinem Gefühl von Sinn, Zugehörigkeit und Beitrag entspricht, und nicht einem Idealbild. Du musst nicht alle Antworten kennen. Vertraue darauf, dass du in jedem Moment das in dir trägst, was du brauchst, um dein Leben stimmig zu gestalten.


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